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Bigger, Stronger, Faster -Wenn Sport zur Sucht wird

Problematik

Für die Sportler unter uns ist es selbstverständlich. Sich durchschnittlich drei bis vier Mal die Woche ins Fitnessstudio zu begeben, wird bereits nach kurzer Zeit zum Lebensmotto vieler. Gründe gibt es unzählige. Außenstehende Personen aber können und wollen eine solche Fitness-Ambition nicht verstehen. Dass es mehr ist, als freiwillige Selbstquälerei, wird uns gerade dann klar, wenn wir aus diversen Gründen daran gehindert werden. Doch neben einem inneren Drang nach sportlicher Betätigung können weitaus gravierendere Entzugserscheinungen auftreten. Reizbarkeit und Aggression sind hier die Extrema. Sind dies die klaren Anzeichen einer Sportsucht?

Einordnung der Sportsucht

Bei Süchten werden zwei Kategorien unterschieden:

Auf der einen Seite gibt es die stoffabhängigen Süchte. Die Drogensucht und Alkoholsucht sind zwei der verbreiteten. Der Betroffene wird durch Substanzen, die dem Körper von außen hinzugeführt werden, in einen Rauschzustand versetzt. Störungen des Bewusstseins gehen meist damit einher. Das als angenehm und befreiend verspürte Gefühl, dass diese Stoffe hervorrufen, führt bereits zur Abhängigkeit einerseits. Entzugserscheinungen andererseits hindern den Süchtigen daran, sich dem inneren Verlangen nach erneutem Konsum einer solchen Droge zu widersetzen.

Auf der anderen Seite regieren die stoffunabhängigen Süchte, auch bekannt unter dem Synonym Verhaltenssüchte. Hier drunter zählen bekannter Weise die Glücksspielsucht aber auch die Sportsucht. Ihre Wirkungsweisen sind ähnlich wie die der stoffabhängigen Süchte. Doch wie schafft es Sport, süchtig zu machen?

Sport als Droge

Eine starke körperliche Belastung, wie sie vor allem im Bodybuilding praktiziert wird, bewirkt mehr als nur den Muskelquerschnitt zu vergrößern. Das, was Bodybuilder als „Pump-Effect“ oder Ausdauerläufer als „Runner`s High“ beschreiben, ist die kurzeitige Wirkung ihrer sportlichen Betätigung. Als wäre Sport eine eingenommene Droge, werden die, die sich sportlich betätigen, in einen höheren Gemütszustand versetzt. Denn bei einer extremen körperlichen Anstrengung schüttet der Körper vermehrt Endorphine aus. Diese Glückshormone versetzen den Sportler, ähnlich wie die Wirkung der Drogen, in einen Art Rauschzustand. Kurzfristig wirkt Sport somit antidepressiv und euphorisierend. Viele Sportler schätzen diese positive Wirkung und sehnen sich immer öfters nach deinem solchen Kick. Der Sport dient dem psychischen Ausgleich zum stressigen Alltag. Häufig wird er deshalb zum zentralen Lebensinhalt. Ein großes Problem der Sportsüchtigen.

Die Sportsucht erkennen

Aber wann wird sportliches Verhalten zur Sucht? Manche lieben Sport, manche können auch gerne darauf verzichten. Diejenigen unter uns, die schon lange nicht mehr ohne können, sollten sich einmal grundlegend folgende Fragen stellen.

Wer zwangsweise auf den Sport verzichten muss, kann sich dennoch auch ohne plagende Symptome wie Nervosität, Unausgeglichenheit oder Depression anderen Dingen widmen? Bei körperlichen Verletzungen wird gesundheitsbewusst pausiert und vorerst auf ein weiteres Training verzichtet? Das soziale Umfeld wird aufgrund des Sports vernachlässigt oder sogar aufgegeben?

Oft wird das Verlangen nach Sport bei Sportsüchtigen als innerer Zwang verspürt. Essstörungen gehen nicht selten mit der Sportsucht einher. Die extreme Gier nach körperlicher Auslastung bewegt die Sportler meist dazu, Intensität, Dauer und Häufigkeit des Trainings permanent zu steigern. Alles im Leben dreht sich um Sport, immer häufiger wird auch im privaten Bereich über das eigene Hobby philosophiert. Und gerade hier ist Vorsicht geboten: Sport kann, wie jede andere Droge auch, erheblichen Schaden anrichten. Abgesehen vom erhöhten körperlichen Verschleiß, wie beispielsweise beim Bodybuilding (Gelenke, Knochen), kann auch das soziale Leben dauerhaft darunter leiden. Freunde kehren einem schnell den Rücken zu, wenn man, vollkommen allein, nur noch in der Welt des Sports lebt.

Sport leben | Sport & Leben

Sich selbst zu verwirklichen ist die eine Sache. Bigger, Stronger, Faster. Wahrhaftig das Motto vieler amerikanischer Sportler, darunter auch namenhafter Bodybuilder wie Arnold Schwarzenegger. Sicherlich sind es die Vorbilder, an denen wir uns orientieren. Doch zu welchem Preis haben sie das erreicht, wovon die meisten unter uns nur träumen? Die Folgen einer exzessiven Sucht nach Sport werden auch vor unseren Helden keinen Halt gemacht haben. Nur mit dem einzigen Unterschied, dass sie, als ein paar wenige unter Millionen den Sprung hin zum Ruhm und Erfolg geschafft haben. Ohne ein zweites Standbein im Showbusiness wären sie heute jedoch auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Es ist somit wichtig, die Balance zwischen Leben auf der einen Seite und Sport auf der anderen nicht zu verlieren. Sport allein kann schnell abhängig machen. Als Ergänzung zu einem erfüllten Leben aber kann man sich der positiven Wirkung dieser Droge bedenkenlos aussetzen, ohne sich der Gefahr auszusetzen, ihr irgendwann einmal zu verfallen.

Fazit

Eine klare Trennung zwischen dem privaten Leben und dem Sport muss existieren. Der Hang zur Realität, der sportfreien Zeit, sollte niemals in den Hintergrund geraten. Das Leben ohne Sport darf zwar undenkbar scheinen. Aber niemals unmöglich sein!

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